Lies ein paar Textproben auf der Startseite!
Manfred BeselerManfred  Marc LehmannMarc  Robert CohnRobert  Helga FrienHelga  Diana LühmannDiana  Wolf DubjenkoWolf  Ulrike ScheeleUlrike
Startseite Aktuelles Über uns Galerie Freunde Impressum Links

 

Außen

von

Helga Frien

 

Feierabend eilen sie heim, die Kollegen. Als fiele an der Bürotür alles Gemeinsame ab, als würde man sich nicht kennen oder nicht kennen dürfen. Ein flüchtiger Gruß, mehr widerwillig, man geht auseinander. Die meisten hetzen noch ein paar Meter in die gleiche Richtung, zum Parkplatz. Sie weichen den Blicken aus. Manche steigen in den nahen Schacht, in Tiefparterre, in die Untergrundbahn. Verschwinden von der Bildfläche. Ich nicht. Ich habe es nicht eilig. Ich kann gleich meiner Leidenschaft nachgehen. Sowie ich aus der Tür komme, beginne ich damit. Als Wichtigstes braucht man einen scharfen, genauen Blick. Und Sonne. Dann findet man die Objekte überall. Und so fein ausgebildet. Ich freue mich über mein gutes Gedächtnis. Das ist das A und O, die Merkfähigkeit. Wie sonst sollte ich die Sache angehen. Merken, klar, das muss ich schon. Ich gehe mit den Augen den Linien nach, immer hin und her, hin und her. Anschließend erfasse ich die Flächen. Von Kante zu Kante wandern meine Augen, ich starre auf das Gesamte der Fläche, auf die kleinen Flächen, auf das Gewirr der Linien. Dabei hilft mir mein Sinn für Formen. Ich sauge sie in mich auf, mit den Augen. Bäume und Wasser geben der Sache Schwung. Bringen Bewegung hinein. Ich schaue gern auf Wasser oder Bäume. Speichere es in meinem Kopf, das Schwingen und Schwappen. Doch auch das Blinken. Das Blinken nämlich lenkt ab, beleuchtet unnötigerweise. Elenderweise. Es zerstört meine Sammlung, das Blinken oder Flimmern. Schließlich sammle ich keine Lampen oder Laternen, keine Sonne und auch keinen Mond. Ich muss es wohl doch erklären. Vielleicht lacht der eine oder andere über die Idee. Das stört mich nicht mehr. Ich habe mich arrangiert. Mit den Leuten und dem Auslachen, mit der Verachtung. Ich habe mich distanziert, und jetzt sammle ich, wo ich geh und stehe, selbst im Dunklen noch, es muss nur ein winziges Licht da sein, und ein Gegenstand.

Hohes Licht erzeugt kleine, niedriges Licht macht große. Die nehme ich bewusst, sammle sie in meinem Kopf, die langen, kurzen, breiten, schmalen und die unterbrochenen, gefächerten, die durchlöcherten und verschwommenen. Ich speichere sie, lass sie nicht mehr fort. Früher als ich meines Gedächtnisses noch nicht so sicher war, zeichnete ich sie, um nichts zu vergessen. Zum Beispiel den Schatten einer Krähe.

Helga Frien